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Besuch der „klezmer.welten“ des EF-Musikkurses

Besuch der „klezmer.welten“ des EF-Musikkurses

Als EF-Musikkurs besuchten wir gemeinsam mit Herrn Klinger ein Konzert der „klezmer.welten“, ein internationales jüdisches Musikfestival, das jährlich in Gelsenkirchen stattfindet.

Im Musikunterricht haben wir uns zuletzt mit Klezmer-Musik beschäftigt. Die jüdische Volksmusik entstand etwa im 15. Jahrhundert in Nord-, Mittel und Osteuropa und wird auch heute noch häufig zu Hochzeiten und anderen Festlichkeiten gespielt. Als in den 1920er Jahren Millionen Juden vor Pogromen aus Osteuropa in die USA emigrierten, veränderte sich die Funktion der Klezmer-Musik stark: lange Stücke wurden durch kürzere ersetzt und das Hauptinstrument Violine wurde gegen die Klarinette ausgetauscht, was besonders mit den beiden Star-Klarinettisten Naftule Brandwein und Dave Tarras zusammenhing. Das Interesse an Klezmer nahm in den 1960er und 1970er Jahren zunächst ab, bevor Ende der 1970er Jahren eine neue Generation von Musikern Klezmer-Musik für sich entdeckte. Neue Bands entstanden zuerst in den USA und später weltweit. Seit einigen Jahren verschmilzt Klezmer-Musik auch zunehmend mit anderen Genres, wie Free Jazz, Balkan Beat oder Hip Hop.

Neben der Geschichte der Musik haben wir uns auch mit ihrem Klang und der Spielweise auseinandergesetzt und dazu einige Klezmer-Stücke analysiert, um anschließend eigene Kompositionsversuche zu unternehmen. Wir haben erfahren, dass die meisten Klezmer-Stücke aus zwei bis vier Teilen bestehen, die von verschiedenen Klezmer-Bands in unterschiedlichen Reihenfolgen gespielt werden. Die Melodien bestehen aus vier Tonleitern, die denen der europäischen Kunstmusik zwar ähneln, aber teilweise auch deutliche Unterschiede aufweisen. Besonders charakteristisch ist die Tonleiter „Freygish“, in der ein Eineinhalbtonschritt vorkommt, der der Musik einen speziellen Klang verleiht.

Zum Abschluss der Unterrichtsreihe besuchten wir am 2. Juni 2022 ein Klezmer-Konzert der Weltklasse-Interpreten Alan Bern und Chilik Fran in der Neuen Synagoge in Gelsenkirchen. Die beiden Musiker präsentierten dem Publikum chassidische Melodien, gespielt auf Akkordeon, Klavier und Klarinette. Besonders in Erinnerung ist uns das Ende des Konzertes geblieben: das letzte Klezmer-Stück war nicht nur besonders schön, sondern auch der emotionale Höhepunkt des Abends. Es endete nicht abrupt, sondern verklang leise. Auf Wunsch der Musiker spendeten die Zuhörer keinen Applaus, sondern verließen still die Synagoge. 

Für den folgenden Tag hatte Herr Klinger ein Gespräch mit Alan Bern organisiert, der am Abend zuvor Klavier und Akkordeon gespielt hatte. Er berichtet über sein Leben und erklärte uns viele interessante Details über Klezmer. So lernten wir auch, dass es bei Klezmer-Musik nicht nur darauf ankommt, sie formal zu verstehen, sondern dass es besonders wichtig ist, diese Musik zu fühlen. Dazu haben wir gemeinsam mit ihm auch musiziert und gesungen.

Durch die Unterrichtsreihe haben wir gelernt, dass Musik Menschen miteinander verbindet, inspiriert und Hoffnung schöpfen lässt. Klezmer-Musik war für uns zunächst ungewöhnlich und hörte sich manchmal auch etwas seltsam an. Aber nachdem wir uns ein wenig in die Musik hineingehört hatten, haben wir uns schnell an den Klang gewöhnt und die Besonderheiten dieser bewegenden Musik erkannt.

Anna Klefken, EF